Eine Hauptaufgabe bei den jährlichen Sommertreffen stellen die Flugleistungsvermessungen von Akaflieg Prototypen wie auch Flugzeugen anderer Hersteller dar. Erste Untersuchungen dieser Art wurden von der Idaflieg bereits 1937 zusammen mit der Aerodynamischen Versuchsanstalt, einem Vorläufer des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR), durchgeführt.

Motivation

Für die stetige Weiterentwicklung von Segelflugzeugen werden neben Rechenverfahren, Simulationen oder Windkanaluntersuchungen auch detaillierte Messungen über die Leistungsfähigkeit von Segelflugzeugen benötigt. Dies hilft zum einen dem Ingenieur, seine Berechnungen zu verifizieren und hilft die Auswirkungen von Modifikationen auf das gesamte Flugzeug zu ermitteln.

Die Flugleistungsvermessung

Um die Flugleistungen eines Segelflugzeuges zu bestimmen, gibt es vier Methoden.

Das Höhenstufenverfahren: Hier wird die Zeit bestimmt, die zum Sinken durch eine bestimmte Höhenstufe mit möglichst konstanter Geschwindigkeit benötigt wird. Um den Einfluss atmosphärischer Bewegungen gering zu halten, kann dieser Versuch nur bei sehr ruhiger Luft durchgeführt werden.

Gleitwinkelmessung: Sind der Anstellwinkel und die Fluglage gegenüber dem Horizont bekannt, kann hieraus die Gleitzahl ermittelt werden.

Ausschießverfahren: Hier beginnt man bei hoher Geschwindigkeit und lässt das Flugzeug bei konstanter Geschwindigkeit „ausschießen“. Durch die Messung der Geschwindigkeit, der auftretenden Beschleunigungen und der Höhe kann die Polare des Flugzeuges ermittelt werden.

Vergleichsflug: Ein Flugzeug, welches durch die drei vorher genannten Methoden genau vermessen wurde, wird als „normal“ verwendet. Es werden vorher festgelegte Messpunkte bei gleicher Geschwindigkeit erflogen und die Relativbewegung der beiden Flugzeuge wird per Differential-GPS bestimmt. Es wird dabei angenommen, dass sich das zu messende Flugzeug und das Vergleichsflugzeug in der selben Luftmasse bewegen und keine gegenseitige Beeinflussung gegeben ist. Diese Methode hat sich in der Praxis durchgesetzt. Bei den Sommertreffen dient eine DG 300-17 vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt als Vergleichsflugzeug.

leisungsmessung

Veröffentlichung von Messergebnissen

Motivation für die Leistungsvermessung von Segelflugzeugen ist für die Idaflieg und das DLR die wissenschaftliche Betrachtung der Leistungsverbesserung. In den letzten Jahren musste leider festgestellt werden, dass die Kunden der Segelflugzeughersteller ihre Kaufentscheidung von der maximalen Gleitzahl der einzelnen Muster abhängig machten. Teilweise waren Gerüchte über die Ergebnisse der Vermessung schon im Umlauf, bevor sie überhaupt ausgewertet waren. Es ließ sich leider nicht vermitteln, dass sich eine gute Kaufentscheidung auch noch an einigen wesentlichen Faktoren wie den Flugeigenschaften und dem Bodenhandling orientieren sollte, zumal die Leistungsunterschiede in letzter Zeit sehr gering geworden sind. Um ihren wissenschaftlichen Anspruch zu erhalten, ist die Idaflieg gezwungen, die Messergebnisse bis zwei Jahre nach Musterzulassung des betreffenden Musters geheimzuhalten. Die Hersteller können in dieser Zeit ihre Flugzeuge in Ruhe, auf Basis der Vermessungsergebnisse, optimieren. Dies hat gerade im Zusammenhang mit den hochentwickelten Profilen, bei denen Turbulatoren, wie Zackenbänder und Ausblasungen, extrem genau angepasst werden müssen, an Bedeutung gewonnen.

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