Neben den Flugleistungsvermessungen nimmt das sogenannte „Zachern“ einen hohen Stellenwert bei den jährlichen Sommertreffen ein. Das „Zacherprotokoll“ wurde von Hans Zacher entwickelt und ist heute der Standard für die Flugeigenschaftsuntersuchung von Segelflugzeugen.

Die Geschichte der Flugeigenschaftsuntersuchungen

Bis in die 1940er Jahre existierte keine objektive Methode, um die Eigenschaften von Segelflugzeugen zu vergleichen. Die Akafliegs, die zu dieser Zeit tätig waren, konnten somit die Eigenschaften ihrer Prototypen nur durch Erzählungen und eigene Erfahrungen bestimmen. 1941, beim vierten Sommertreffen in Prien am Chiemsee, wurde beschlossen, ein einheitliches Programm zu entwickeln mit dem die Flugeigenschaften ermittelt werden konnten. Hans Zacher, Mitglied der Akaflieg Darmstadt, nahm sich diesem Projekt an und entwickelte das sogenannte „Priener Programm“. Die Methode musste zwar im Laufe der Zeit mehrfach an neue Flugzeugtypen angepasst und verbessert werden, verlor aber Dank der Weitsicht und des Einsatzes ihres Erfinders, nie ihre Vergleichbarkeit.
Hans Zacher beschäftigte sich über 50 Jahre lang mit Flugeigenschaftsuntersuchungen und trieb diese stetig voran. Nicht zuletzt deshalb ist heute nicht mehr vom „Priener Programm“ sondern nur noch vom „Zacherprotokoll“ oder vom „Zachern“ die Rede.
Maßgebliche Teile dieses Programms wurden auch in die Vorschriften zur Flugerprobung von neuen Typen aufgenommen.

Zacher in der pik 20

Zacher in der pik 20

Die Flugeigenschaftsuntersuchung – das „Zachern“

Der grundlegende Unterschied zwischen den Flugleistungsuntersuchungen und den Flugeigenschaftsuntersuchungen liegt in der Objektivität der Messungen. Leistungen sind zwar nur schwer zu messen, jedoch vollkommen objektiv. Eigenschaften hingegen verlangen zum größten Teil keine ruhige Luft, keine spezielle Instrumentierung, kein Begleitflugzeug und kein Kalibrierflugzeug. Die Messungen der Flugeigenschaften sind am ganz normalen Flugzeug ohne größeren Aufwand durchzuführen. Allerdings sind sie immer subjektiv. Es war daher ein Bestreben eine objektive Vergleichbarkeit zu schaffen. Nach einer gründlichen theoretischen und praktischen Einweisung fliegen die Piloten die Punkte des Zacherprotokolls ab. Zur Ermittlung der Werte dienen hierbei einfache Hilfsmittel, die „Zacherbesteck“ genannt werden. Dazu zählen:

  • Ein Längenmaß für die Knüppelwege
  • Zwei Kraftmesser mit verschiedener Skalierung zur Aufnahme der Steuer- und Handkräfte
  • Eine Stoppuhr, um Rollwechselzeiten und Schwingungsamplituden zu stoppen
  • Das sog. Phi-Psi-Theta

Letzteres ist eine durchsichtige Schablone, die innen an der Haube angebracht wird und dem Piloten das Abschätzen der drei Lagewinkel (Schräglage, Nickwinkel, Gierwinkel) erleichtert. Des Weiteren gehört ein Kniebrett oder Diktiergerät zur Ausrüstung, um die ermittelten Werte zu protokollieren.

Ein zum Zachern ausgerüstetes Cockpit

Ein zum Zachern ausgerüstetes Cockpit

Das Zacherprotokoll

Das Protokoll enthält zunächst allgemeine Angaben, die benötigt werden, um später die Qualität und Vergleichbarkeit herzustellen. Ein wichtiger Wert ist z.B. die Schwerpunktlage, die einen großen Einfluss auf die Eigenschaften (und auch auf die Leistungen) haben kann. Es folgt eine Reihe subjektiver Angaben, also etwa ob die Sicht gut ist, ob die Lüftung wirkt und ob alle Hebel gut zu erreichen und leicht zu bedienen sind. Einer der wichtigsten Punkte sind die verschiedenen Überziehversuche. Hierbei werden charakteristische Geschwindigkeiten festgehalten und die Eigenarten eingetragen, also z.B. Schütteln, Taumeln, Abkippen oder Nickschwingungen. Die Überzieheigenschaften werden für den Geradeausflug, für einen Schiebeflug mit 10 Grad Schiebewinkel und für einen Kreisflug mit 30 Grad Schräglage (jeweils rechts und links herum) ermittelt, sowie im Falle eines Wölbklappenflugezeugs für die wichtigsten Wölbklappenstellungen.

In den folgenden Schritten werden eine Reihe Versuche geflogen, die diverse flugmechanische Parameter betreffen. Also etwa das Schieberollmoment, die Ruderwirkungen und die Richtungsstabilität.

Zwei Punkte des Protokolls müssen in ruhiger Luft geflogen werden. Die Flüge hierfür werden im allgemeinen frühmorgens parallel zu den Flugleistungsvermessungen gestartet und im allgemeinen Sprachgebrauch als „statisch“ bezeichnet. Hierbei wird die Längsstabilität ermittelt, in dem der Knüppelweg und die Knüppelkraft über der Geschwindigkeit aufgetragen werden. Außerdem wird die dynamische Längsstabilität gemessen (Phygoide). Dabei wird eine langwellige Schwingung angeregt und die Fahrtminima und -maxima sowie die Frequenz aufgenommen.

Weitere Punkte umfassen die Bremsklappenwirkung, die Lande- und Starteigenschaften, die Steuerabstimmung, die Thermikflugeigenschaften und den Trimmbereich.

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